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Anno Tobak – Es war einmal ...

Stop-Signal vor 30 Jahren

Pfefferminzbähnels letzte Fahrt

GOMMERSHEIM. „Ich rumpel un bumbel do vorne dorchs Gaiich ratter un schnatter no Note“ Mei Weg fiehrt dorch Riewe, dorch Zwiwwle un Hei, ich niach aus Lawendische Dote. Ich kärchel un schärwel gernietlieh dorchs Land. Sei Ruh soll mer niemols verkäfe, wer schneller zum Ziel will, muß korzerband sei ' KöHerle schnappe un läfe!''

Damit hat Hans Georg Baßler in knappen Strichen das Bild des ,.Pfefferminzbähnels" gezeichnet, einer Schmalspurbahn, die zwischen Neustadt und Speyer verkehrte und vor nunmehr 30 Jahren „zum alten Eisen" geworfen wurde. Sie trug ihren Namen deshalb, weil sie durch das damalige Pfefferminzland um Gommersheim fuhr. Ein Kleinbahnidyll war verschwunden, Omnibusse und Lastwagen traten an seine Stelle.

Von dieser letzten Fahrt von Speyer nach Neustadt am 2. Juni 1956 sei hier zunächst die Rede. Die Lokomotive war reich geziert, als sie sich schnaubend auf den Weg machte, vorbei an winkenden Menschen, denen künftig ihr Gäubähnel fehlen wird. In Harthausen stieg die Schuljugend zu, an jeder Station war der Aufenthalt wesentlich länger als vorgesehen. Nun, dem Pfefferminzbähnel hat es eigentlich nie so sehr pressiert. Es brauchte eineinhalb Stunden Fahrzeit für die Gesamtstrecke von Speyer nach Neustadt. Und wenn es gar einmal schneller war, wurde angehalten, denn der Fahrplan mußte streng befolgt werden.

Man erzählt sich, daß bei Beförderung von Gütern sämtliche Bedienstete bei einem erzwungenen Halt neben den Gleisen lagen und den Herrgott einen guten Mann sein ließen. Beim Personentransport kam es schon mal vor, daß – wie damals in Geinsheim – das Lokomotivchen nicht mehr anzog, weil der Herr Lokführer mit ganzer Mannschaft auf der Kerwe kurz dem „Pfälzer“ zugesprochen hatte. Vielleicht erging es der Lokomotive genau so wie ihrer Bedienung, als sie an einem heißen Augusttag kurz entschlossen einen „Kopfstand“ im Speyerbach bei Dudenhofen versuchte.

Besonders wegen der „enormen“ Schnelligkeit des Bähnchens gab's einiges zu berichten. Der Mittagszug war in Neustadt pünktlich abgefahren. Er schlich von Station zu Station. An einer war die Abfahrtszeit gekommen. Der Lokomotivführer blickte den Zug entlang und wollte schon den „Vorwärtshebel“ bewegen, da entdeckte er einen bekannten Fahrgast, der jeden Tag mitfuhr, im Eilschritt dem Bähnchen nahen. Also bewegte sich vorläufig nichts, denn man darf ja seine Kunden nicht vergrämen. Auf Rufweite herangekommen, bemerkte der Lokomotivführer mit lautem Ton: „Beeilen eich, Frää, ’s isch höchschti Zeit!“ Da blieb die Frau, schon fast außer Atem, stehen und brachte bei andauerndem Gehüstele hervor: „Ihr kenn‘ ruhich fahre. Ich fahr heit nit mit, mir prässiert‘s nämlich!“

Das soll so geschehen sein wie aach dieses: Fröhliche Menschen saßen im „Zichel“. Muntere Reden gingen hin und her. Plötzlich gab‘s einen starken Ruck, die Bremsen kreischten, die Leute auch. Man verließ das Wägelchen und arbeitete sich bis zur „Zugspitze“ vor. Und was fanden die Neugierigen? Der Zugführer hatte seinen „Dienststand“ verlassen, kniete am Rand des Gleises, griff mit behandschuhten Händen nach einem Igel und setzte ihn sanft auf den nahen Feldweg. Dann ging die Fahrt weiter.

Ja, es war schon eine Besonderheit, das Pfefferminzbähnchen! In einem Wägelchen gab es sogar ein Abteil I. Klasse. Es wurde extra auf Wunsch von Dr. Schäfer aus Schwegenheim eingebaut, der das Abteil auch ganz allein benutzen durfte.
Geinsheim war sozusagen die Drehscheibe oder der Mittelpunkt des Betriebes. Nach Speyer waren es 18,9 Kilometer, nach Neustadt 10,2 Kilometer. In einem eigens gebauten Schuppen in Geinsheim tankte das Zugmaschinchen Wasser. Kleinere Unfälle gab es des öfteren, aber niemand kam nennenswert zu Schaden. Bis zum 25. Mai 1905, als in der scharfen Kurve am Schwegenheimer Waldrand das Pfefferminzbähnel aus den Gleisen sprang, und ein Mann dabei den Tod fand.

VIKTOR CARL, Foto: Schmeckenbecher

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